Lyrik

Tagebuchartige Texte haben fast mein ganzes Leben begleitet. Schon als junger Mann schrieb ich Gedichte. Aber erst Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre drängte sich mir diese Kunstform auf. Der erste Gedichtband „Die Straße der Gaslaternen“, erschienen zunächst im Eigenverlag (1974), später dann in zweiter Auflage im Lahn-Verlag 1980, erregte Aufsehen. In einer Besprechung im „Christ in der Gegenwart“ schrieb damals Marianne Greve: "Befreie uns Herr vom Abschied! Laß uns zu Hause sein irgendwo." So beginnt eines der Gedichte in dem neuen schmalen Gedichtband von Hans Günter Saul mit dem schlichten Titel: "Die Straße der Gaslaternen" (im Selbstverlag). Der Verfasser ist Priester, Pfarrer einer kleinen, lebendigen Gemeinde in Bergisch-Born. Man blättert in dem nach außen so bescheidenen Bändchen und liest sich fest, bezaubert und seltsam angerührt von der stillen Magie, dem Wohllaut und dem dichterischen Duft dieser Verse. Ihre sparsame Tiefe, die Schönheit der Sprache, ihr Bilderreichtum machen sie zu einer wirklichen Entdeckung. Immer neu, von Gedicht zu Gedicht, empfindet man die reine Musikalität: "Über das Mondlicht werde ich wandern in Deine Träume... " ("Nach dem Abschied - am Abend"). Echte Begabung, so scheint es, ist hier am Werk. Zwingend die Wende nach innen: "Wende Dein Gesicht nach innen, bieg die Schultern um Dein Herz" ("Geh aber weiter"). Religiöse Tiefe offenbart sich in dem Gedicht: "Memorial": "Einer war wie alle zusammen gequält und verachtet. Einer hat sie alle durch seinen Tod überlebt..." Einen besonderen Hinweis verdienen die Gedichte: "Für Peter Huchel", "Kleine Litanei, dem Andenken Johannes´ XXIII." gewidmet, "Psalm 8, für E. Cardenal", "Emil Nolde - die Bilder". Und schließlich "Die Straße der Gaslaternen", das sind "unendlich stille Signale, Stationen des Schweigens, auf Schattenschnüre gereiht. .." Es lohnt sich, mit diesen Gedichten Einkehr zu halten, sich ihnen zu öffnen und ihre Stille wohltuend an sich zu erfahren.“ Es folgte 1976 als zweiter Band „Wasserzeichen“, wie alle Bände vom Lahn-Verlag betreut.
1981 schloß sich der Band „UNTER DER ROSE GESAGT“ an, dann 1983 „AM DRITTEN UFER“, 1984 „ANGELN IM WIND“ (Gedichte aus Chile), 1986 „IM SCHUTZ DER BILDER“. Der Band „INNENHÖFE“ versammelt die späteren Gedichte bis 2003, bislang unveröffentlicht. Zahlreich sind die Gedichtveröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften und Kalendern. Früh schon veröffentlichte die FAZ zwei Beispiele. Michaela Pilters brachte ein ausführliches Interview im Hessischen Rundfunk, der Rheinisch-Bergische Kalender 1995 eine Biographie, Professor Grosch Gedichtbetrachtungen in den Quartalsheften der Michaelbruderschaft, die Zeitschrift „Rheinland“, die Zeitschrift „Humboldt“, in Chile die Zeitschrift „Ercilla“ beschäftigten sich ausführlich mit meinem dichterischen Werk. Bei der Zusammenstellung dieses Textes sehe ich erst, wie zahlreich die Veröffentlichungen sind. Eine Anthologie sollte noch erwähnt werden, in der Paul Kaspar die „hundert schönsten Liebesgedichte“ veröffentlicht hat, darunter gleich drei von mir, „Wie gut, daß es dich gibt“, Herder 1988/89. Die kurze Aufzählung mag hier genügen.